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Homeschooling in Deutschland

Das Thema Homeschooling ist in Deutschland leider noch mit vielen Vorurteilen belegt. Wir möchten Ihnen gerne erklären worum es sich wirklich dabei handelt und was Sie wissen und beachten müssen.

Christoph Kappek, zuletzt aktualisert am 24.10.2018

Was ist Homeschooling

Unter Homeschooling versteht man, dass ein Kind nicht die Schule besucht, sondern stattdessen zu Hause von den Eltern oder einem Privatlehrer unterrichtet wird.

In anderen Staaten wie z.B. den Vereinigten Staaten von Amerika ist diese Form des Unterrichts weit verbreitet und allgemein akzeptiert. Hier in Deutschland jedoch gibt es kontroverse Ansichten zum Thema Homeschooling. Zusätzlich sieht die deutsche Gesetzgebung und die hierzulande geltende Schulpflicht bis auf wenige Ausnahmen auch keine Alternative zum Unterricht an einer Schule vor.

Wieso Homeschooling?

Sie werden sich jetzt vielleicht fragen was an Homeschooling eigentlich so interessant sein soll?

Das deutsche Bildungssystem sieht sich heutzutage vieler berechtigter Kritik ausgesetzt. Überfüllte Klassenräume, die anhaltende Lehrermisere der man mit zahlreichen Quereinsteigern entgegenzuwirken versucht und stark standardisierte Unterrichtsbedingungen, die schlicht nicht jedem Kind gerecht werden.

All diese Punkte verunsichern nicht wenige Eltern, die sich um die Bildung ihrer Kinder sorgen. Dabei sind es zum überwiegenden Teil auch sehr bildungsnahe Familien, die sich aktiv mit Alternativen zur staatlichen Schule auseinandersetzen.

Daher kommt nicht selten die Überlegung auf neben der Erziehung auch die Bildung des Kindes in die eigenen Hände zu nehmen. Immerhin führt das auch einige nicht zu vernachlässigende Vorteile mit sich.

Vorteile von Homeschooling

Beim Unterricht in den eigenen vier Wänden, schließt man von vornherein aus, dass das Kind negativen Einflüssen in Form von Gewalt oder Kriminalität ausgesetzt wird. Auch kann es durch den Einzelunterricht kein Opfer von Mobbing werden. Da das Kind nichtsdestotrotz einen Freundeskreis und auch ohne den täglichen Schulbesuch viel in Kontakt mit anderen Menschen treten kann, muss man sich auch keine Sorgen um eine fehlende Sozialisation oder Vereinsamung machen. Auch der freiwillige Besuch von z.B. einem Sportverein hilft dabei Kontakte zu knüpfen.

Intensivere Beziehung zum eigenen Kind

Unterrichten Sie Ihr Kind jeden Tag selbst und haben es in Ihrer Nähe, so sind Sie viel intensiver an dessen Reifung zu einer eigenständigen Person beteiligt. Sie bekommen mit was Ihrem Kind wichtig und ist wo dessen Probleme sind. Würden Sie es täglich in die Schule schicken, wäre ein derartig intensiver Austausch überhaupt nicht möglich. So berichten nicht wenige daheim unterrichtende Eltern über die besonders guten Beziehungen zu ihren Kindern.

Gezielte Förderung möglich

Beim Einzelunterricht zuhause, haben Eltern auch die ideale Gelegenheit ihr Kind ganz gezielt entsprechend dessen individueller Stärken und Begabungen zu fördern. Sie sehen also beispielsweise, dass Ihr Kind ein besonderes Interesse an Physik zeigt. Also können Sie hier zusätzliche Lehreinheiten vorsehen oder besondere Aktivitäten einplanen wie z.B. den Besuch einer Ausstellung. Oder Sie organisieren bestimmte passende Bücher oder Filme.

Freie Unterrichtsplanung

In diesem Sinne sollte auch erwähnt werden, dass Sie viel freier in der Gestaltung des Unterrichtsablaufes sind. Wo in der Schule typischerweise mehrere Fächer an einem Tag unterrichtet werden, können Sie einfach thematisch passend unterrichten. Dies würde also bedeuten, dass Sie einen bestimmten Zeitabschnitt lang schlicht ein bestimmtes Thema unterrichten, z.B. können Sie einen Monat lang intensiv das Römische Reich unterrichten.

Kein überfülltes Klassenzimmer mehr

Weiterhin bringt der Unterricht zuhause auch den positiven Nebeneffekt mit sich, dass Ihr Kind sich nicht mehr dem unnötigen Stress eines überfüllten und lauten Klassenzimmers aussetzen muss. So kann sehr gezielt und diszipliniert frei von Ablenkungen gearbeitet werden.

Auf diese Art würde Ihr Kind auch gleichzeitig dazu erzogen werden in Ruhe für sich allein zu arbeiten.

Es empfiehlt sich im Übrigen einen bestimmten Bereich des Hauses für den Unterricht zu reservieren. Dies kann ein spezielles Arbeitszimmer aber auch ein Teilbereich des Wohnzimmers sein. Achten Sie nur darauf, dass der Bereich während der Unterrichtszeiten ruhig, störungsfrei und aufgeräumt ist.

Freie Träger

Ist Homeschooling in Deutschland erlaubt?

Leider ist hier die gesetzliche Lage recht eindeutig. In Deutschland herrscht Schulpflicht. Dies bedeutet, dass der Staat Ihr Kind dazu verpflichtet ab einem bestimmten Alter die Schule zu besuchen. Ausnahmefälle sind natürlich vorgesehen, beschränken sich aber im Wesentlichen auf eventuelle körperliche Behinderungen sowie ansteckende oder schwere Krankheiten. Weitere Ausnahmefälle gelten für Kinder von Schaustellerfamilien oder wenn Ihr Kind bereits früh eine Karriere (z.B. Musiker) gestartet hat bei der es viel reisen muss.

Aber was hat es mit dieser Schulpflicht eigentlich auf sich?

Ursprünglich wurde sie eingeführt, da es bildungsferne Familien gab die ihre Kinder schlicht nicht zur Schule schicken wollten. In den meisten Fällen lag dies daran, dass die Eltern Ihre Kinder als zusätzliche Arbeitskraft eingeplant haben. Seltener kam es vor, dass die Familie dem Konzept der Bildung ablehnend gegenüberstand oder die Meinung vertrat, Ihr Kind würde keine benötigen.

Da der Staat ein berechtigtes Interesse an einer gebildeten Bevölkerung hatte, sah er es als seine Pflicht an den Kindern über die Schulpflicht die Möglichkeit einer umfassenden Bildung zu verschaffen.

Diese strikte Form der Schulpflicht die ausdrücklich den Besuch einer Schule vorsieht, hält sich hartnäckig in Deutschland und macht es Eltern schwer sich den Wunsch des Heimunterrichts zu erfüllen.

Selbstverständlich können Sie beim zuständigen Schulamt immer Heimunterricht beantragen, müssen aber im Regelfall mit einer Ablehnung rechnen.

Sollten Sie Ihr Kind fortan trotzdem nicht zur Schule schicken, müssen Sie mit Bußgeldern, einer Freiheitsstrafe sowie einem eventuellen Entzug des Sorgerechts rechnen.

Homeschooling in Europa

Bei vielen unserer europäischen Nachbarn ist es wesentlich einfacher das eigene Kind daheim zu unterrichten. Nur Schweden ist ähnlich strikt wie Deutschland und erlaubt Homeschooling nicht.

In Österreich beispielsweise ist Homeschooling grundsätzlich erlaubt. Das Kind muss lediglich einmal im Jahr an einer Leistungsüberprüfung an einer Schule teilnehmen. Besteht es diese, so kann der Heimunterricht fortgesetzt werden. Wird die Überprüfung jedoch nicht bestanden, so muss für mindestens ein Jahr die reguläre Schule besucht werden bis ein neuerlicher Antrag auf Heimunterricht gestellt werden kann.

In der Schweiz wiederum ist es von Kanton zu Kanton unterschiedlich. In einigen ist es den Eltern strikt untersagt Homeschooling zu betreiben, während wiederum andere liberaler sind und es unter Auflagen erlauben. So müssen beispielsweise Lehrpläne vorgelegt werden und es finden regelmäßige Besuche der zuständigen Bildungsbehörde statt.

Auch in Frankreich ist Homeschooling erlaubt. Es finden ebenso regelmäßige Besuche zu Hause statt um den Lernfortschritt zu überprüfen.

Sollten Sie Ihre Kinder also unbedingt per Homeschooling unterrichten wollen, bestünde die Möglichkeit in eines der umliegenden Länder auszuwandern, in denen dies legal ist.

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Autor

Christoph Kappek

Christoph Kappek

Christoph beschäftigt sich mit verschiedenen Bildungs­systemen und Pädagogik. Dieses Interesse ist die Grundlage seiner Artikel.




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