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Was bedeutet Bildung eigentlich genau?

Eine „sich selbst bestimmende Persönlichkeit“ werden: Schule hat den Bildungsauftrag, Kinder und Jugendliche auf diesem Weg zu begleiten.

Eine „sich selbst bestimmende Persönlichkeit“ werden: Schule hat den Bildungsauftrag, Kinder und Jugendliche auf diesem Weg zu begleiten. Das klingt nach moderner Pädagogik. Tatsächlich ist dieses Bildungsziel 200 Jahre alt. Wilhelm von Humboldt (1767 – 1835) formulierte das und ergänzte: Bildung soll zur „Aneignung der Welt“ befähigen sowie alle „Kräfte im Menschen“ anregen. Wenn Schule das leiste, könne jeder mühelos eine Berufsausbildung daran anschließen und den Beruf sogar mehrfach im Leben wechseln. Diese Vorstellungen waren damals bahnbrechend. Das gilt auch für Humboldts Forderung, dass Universitäten unabhängige Forschungseinrichtungen mit freiem Bildungszugang sein sollen. Der berühmte Gelehrte wurde 1809 zum „Leiter für den öffentlichen Unterricht“ ernannt und durfte in Preußen seine Theorien praktisch umsetzen. Er ordnete die Schulbildung neu, gründete in Berlin die erste unabhängige Universität und entwickelte den Vorläufer des heutigen Lehrer-Staatsexamens. So legte er den Grundstein für unser aktuelles Bildungssystem. Seitdem wurde es nie wieder so umfassend und idealistisch von einem brillanten Denker und Reformer auf komplett neue Füße gestellt. Daher lohnt es sich, die alte Frage erneut zu stellen: Was bedeutet Bildung eigentlich?

Tatsächlich beruht unsere heutige Vorstellung von Bildung immer noch auf Wilhelm von Humboldts Ideen. Zusammengefasst besagen sie: Die Schule ist der Startpunkt. Sie vermittelt jedem Kind einen Grundstock an vielseitiger Allgemeinbildung und gibt den Raum, unterschiedliche Fähigkeiten zu erproben. Wenn das gelingt, hat jeder Mensch ein Bildungsfundament, auf dem er lebenslang selbständig aufbauen kann. Mit der schulischen Grundbildung können Berufsausbildung oder Studium verfolgt werden. Mit Blick auf die sich selbst bestimmende Persönlichkeit sind außerdem alle Arten von Weiterbildung möglich. Das Humboldtsche Bildungsideal denkt vom Menschen aus. Bildung dient der eigenen Person und ihrer flexiblen Weiterentwicklung.WBS Training Bildung dient der eigenen Person und ihrer flexiblen Weiterentwicklung. Sie soll Freiheit der Selbstbestimmung ermöglichen. Welche Fachkräfte die Wirtschaft braucht, wäre kein Gesichtspunkt für Humboldt gewesen. Dann wäre der Mensch ein Mittel zum Zweck. Der preußische Gelehrte hätte diese Vorstellung abgelehnt. Persönlichkeitsbildung ist in dem 200 Jahre alten Leitfaden mindestens so wichtig wie der Wissenserwerb und die Entwicklung unterschiedlicher praktischer Fähigkeiten. Das Humboldtsche Bildungsideal prägt bis heute die
Definition von Bildung – ob bei schulischen Lehrplänen oder im Bereich der Wirtschaft.Definition von Bildung

Schule hat die Aufgabe, Schüler moralisch zu bilden. Sie erzieht zu Teamfähigkeit, Rücksicht, Hilfsbereitschaft, Fleiß und Selbstbewusstsein. Darum gibt es Kopfnoten und Fächer wie Ethik und Religion. Schule trägt Verantwortung, Schüler intellektuell auszubilden, also Wissen und Methoden zu unterrichten. Außerdem hat sie die gestalterischen Fähigkeiten zu fördern, was im weitesten Sinne die Fächer Sport, Kunst, Werken, Musik oder Theateraufführungen umfasst. Schulbildung darf niemals auf einseitiges Wissen zielen, keine einseitigen Fähigkeiten hervorbringen und nie die Erziehung der Persönlichkeit ausschließen. Am Ende der Schulzeit soll ein Mix aus wissenschaftlicher, humanistischer und künstlerischer Grundbildung bestehen. Mit Fächern aus unterschiedlichen Bereichen wie Sprachen, Naturwissenschaften oder Sozialkunde wird außerdem eine breite Palette an Allgemeinwissen abgedeckt. Nur diese Vielfalt kann „alle Kräfte im Menschen“ anregen oder eine umfassende „Aneignung der Welt“ möglich machen. Die persönliche Spezialisierung für eine Berufsausbildung findet erst im Anschluss statt.

Im Grunde kennen wir keinen anderen Bildungsweg, denn nach diesen Prinzipien ist das Bildungssystem gestaltet. Inmitten dieser Gewohnheiten könnte man übersehen, dass diese Prinzipien immer noch bahnbrechend sind. Wer kennt nicht den Satz aus Schulzeiten: „Wozu soll ich das lernen?“ Wer sein Talent in der Mathematik hat, stöhnt eventuell bei der Porträtzeichnung im Kunstunterricht. Häufig erklingt das ablehnende Argument: „Das werde ich nie wieder im Leben brauchen!“ Und das mag stimmen. Aber was ist mit dem Mitschüler, der unerwartet feststellt, wie viel Freude ihm Porträtzeichnen macht und dadurch ein neues Hobby entdeckt? Dieses Bildungsideal hat die Schule zum wichtigen Erfahrungsort geformt. In der Schule findet ein Kind heraus, wo seine Talente liegen, womit es nichts anfangen kann und wofür es sich interessiert. Die Vielfalt sorgt für einen Erfahrungsraum, der echte Selbstkenntnis hervorbringt. Am Ende der Schulzeit kann jeder Schüler beschreiben, wo seine Stärken liegen und womit er sich am liebsten nie wieder befassen möchte. Es entsteht ein Bild von der eigenen Persönlichkeit – was sie kann, was sie will und wofür sie sich nicht geeignet empfindet. Genau das sind die wichtigen Grundlagen, um selbstbestimmt zu entscheiden, wohin der Berufsweg führen soll, welche Ziele, Weiterbildungen oder Interessen man weiter ausbauen möchte. Trotzdem ist dieses Bildungsideal nie selbstverständlich. Es fordert auch Frustrationen. Jeder Schüler ist letztlich gezwungen, sich mit Fächern, Themen und Fähigkeiten befassen zu müssen, die so gar nicht den eigenen Neigungen entsprechen.Ratgeber von Priivat Bildung Das führt wieder zu der typischen Frage: „Wofür brauche ich das?“ Nützlich soll Bildung eben auch sein. Und wenn etwas nicht nützlich erscheint, muss man sich dann damit befassen oder sogar Frustrationen dafür in Kauf nehmen?

Unablässig gibt es Bildungsreformen. In den Medien wird über das Bildungssystem regelmäßig diskutiert. Im Wesentlichen drehen sich die Auseinandersetzungen immer um die gleichen Fragen: Wie nützlich sollen die schulischen Inhalte für das Alltagsleben und die berufliche Weiterentwicklung sein? Zugespitzt formuliert: Muss man in der Schule wirklich Goethes „Faust“ lesen, wenn das weder dem Berufsleben nützt noch Privatgespräche prägt? Wer fragt schon: „Denkst du übrigens auch, dass sich Faust gegenüber Gretchen falsch verhalten hat?“ An dieser Stelle kommt man auf die grundsätzliche Fragestellung zurück: Ist Bildung ein Lernen von praktisch nützlichen Fähigkeiten, mit denen sich in beruflichen Zusammenhängen Geld verdienen lässt? Oder ist das Nachdenken über menschliches Verhalten nicht auch etwas, das den „gebildeten“ Menschen auszeichnet? Und wann in unserem Leben wollen wir uns die Zeit gönnen, auch das Nachdenken über solche Fragen zu lernen? Oder können wir darauf verzichten? Zur Definition von Bildung gehört es jedenfalls, dass sie zwei Bedeutungen hat. Bildung beschreibt zum einen den Prozess von Lernen und Ausbildung. Zur Bildung gehören die Zeiten von Schule, Berufsausbildung, Weiterbildung und Studium. Zum anderen beschreibt Bildung den Zustand eines Menschen. Eine Person kann gebildet oder ungebildet sein. Doch was heißt das genau? Stellen wir uns zwei fiktive Personen vor. Die erste hat ein Ingenieurstudium abgeschlossen und wirft ihren Mitmenschen gerne grobe Beleidigungen an den Kopf. Die zweite hat einen Realschulabschluss, arbeitet als Fahrer im Pizza-Lieferdienst und bewahrt bei allen Konflikten höfliche Ruhe. Möglicherweise würde Wilhelm von Humboldt zu dem Schluss kommen, dass die zweite Person den höheren Bildungsgrad in der Fähigkeit erlangt hat, eine „sich selbst bestimmende Persönlichkeit“ zu sein.

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