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Was ist eine Waldorfschule?

Waldorfschulen bieten eine interessante Alternative zum herkömmlichen Schulsystem. Aber was macht sie genau aus? Alle Informationen finden Sie hier.

Paul Jakob, zuletzt aktualisert am 29.10.2018

Neben der Montessoripädagogik vertreten Waldorfschulen das am häufigsten vorkommende Konzept unter den deutschen Privatschulen. An mehr als 1.100 Schulen und in knapp 2.000 Kindergärten wird die Waldorfpädagogik mittlerweile weltweit angewendet. Höchste Zeit, sich anzuschauen, was eine Waldorfschule eigentlich ausmacht:

Was ist eine Waldorfschule?

Wie die meisten Schulen in freier Trägerschaft bieten Waldorfschulen eine Alternative zu staatlich geführten Schulhäusern an. Als Gesamtschulen umfassen Waldorschulen Klassenstufen von der ersten bis zur zwölften Klasse. Ein Merkmal der Waldorfpädagogik besteht darin, dass bis zum Erreichen der Oberstufe keine klassischen Noten vergeben werden. Stattdessen erstellen die Lehrer umfangreiche schriftliche Beurteilungen über jeden Schüler, um den Eltern ein Bild vom aktuellen Leistungsstand Ihres Kindes zu geben.

Im Normalfall werden die Schüler einer Waldorfschule während der ersten acht Schuljahre jeden Morgen von demselben Lehrer unterrichtet. In diesen meist zwei Schulstunden pro Tag lehrt die entsprechende Bezugsperson im Rahmen von drei- bis vierwöchigen Epochen Hauptfächer, wie Deutsch, Geschichte oder Mathematik. Neben diesen Hauptfächern findet außerdem wöchentlicher Fachunterricht in Fächern Fremdsprachen, Musik, Sport, Eurythmie und handwerklichen, sowie künstlerischen Fächern statt. Zusätzliche Projekte, wie Plakate entwerfen oder Kulissenbau finden außer der Reihe statt.

Rudolf Steiner- Gründer der Waldorfpädagogik

Rudolf Joseph Lorenz Steiner ist der Begründer der Waldorfpädagogik. Steiner wurde am 27.02.1861 in Kraljevec, Kroatien geboren (damals gehörte Kraljevec noch zum österreichischem Kaisertum). Am 30.03.1925 verstarb er in der Schweiz. Bekanntheit errang Steiner als österreichischer Publizist und Vortragsredner. Außerdem galt er als überzeugter Esoteriker. Steiner war philosophieinteressiert und veröffentlichte als Publizist nicht nur Werke von Goethe, sondern auch eigene philosophische Texte. Zudem war er bekannter Nietzsche- Kenner und thematisierte diesen oft in seinen Vorträgen. Daneben unterrichtete Steiner über mehrere Jahre hinweg als Hauslehrer und an verschiedenen Schulen. Diese Einflüsse wurden zu den Grundbausteinen der späteren Waldorfpädagogik.

Die Geschichte der Waldorfpädagogik

Der erste Schritt zur Gründung der Waldorfpädagogik wurde im September 1919 von Emil Molt, dem Besitzer einer Zigarettenfabrik unternommen. Diese Fabrik trug den Namen Waldorf Astoria und wurde namensgebend für die Waldorfpädagogik.

Molt verfolgte das Ziel, Kindern aus allen sozialen Schichten eine einheitliche Bildung zu ermöglichen. Er vertrat die Ansicht, dass niemand aufgrund seiner Herkunft, Konfession oder seines Alters vom Unterricht ausgeschlossen werden dürfe. Zu der damaligen Zeit war diese Überzeugung noch nicht selbstverständlich.

In dem Gleichgesinnten Publizisten und Philosophen Rudolf Steiner fand Molt einen Mitstreiter, den er mit der Entwicklung des pädagogischen Konzepts beauftragen konnte.

Die erste Waldorfschule fand schnell Anklang. So folgten bereits nach kurzer Zeit weitere Schulen, die nach Steiners Pädagogik unterrichteten.1926 gab es Waldorschulen bereits in Basel, Budapest, Den Haag, Essen, Hamburg, Hannover, Kings Langley, Lissabon, New York, London und Oslo.

Zur Zeit des Nationalsozialismus wurden deutsche Waldorfschulen verboten. Der Gedanke einer freien Bildung und der Gleichberechtigung vertrug sich nicht mit den Idealen der Nationalsozialisten. Erst im Oktober 1945 folgte der Wiederaufbau der bis dahin teilweise vollkommen zerstörten Waldorfschulen. Das hinderte die Waldorfpädagogik jedoch nicht daran, zu einem der verbreitetsten pädagogischen Konzepte weltweit zu werden. Inzwischen ist die Waldorfpädagogik längst in über 80 Ländern etabliert.

Welche Philosophie steckt hinter den Waldorfschulen?

Die Prinzipien - Wofür stehen Waldorfschulen?

Waldorfschulen stellen seit ihrer jeher ganz bewusst eine Alternative zum herkömmlichen Schulsystem dar. Die bestmögliche Förderung jedes Einzelnen steht im Vordergrund. Um dieses Ziel zu erreichen bilden folgende Prinzipien das Grundgerüst der Waldorfpädagogik:

  • Gemeinsamer Unterricht für Jungen und Mädchen
  • Verzicht auf Sitzenbleiben
  • Handwerklicher und künstlerischer Unterricht
  • Epochenunterricht
  • Verbinden von allgemeiner und beruflicher Bildung
  • Möglichst künstlerische, bildhafte und praxisorientierte Gestaltung des Unterrichts

Grundgedanke dieser Prinzipien stellt Steiners Überzeugung von der „Dreigliedrigkeit des Menschen“ dar. Das bedeutet, dass folgende Bereiche eines Menschen gleichberechtigt gefördert sollten: Der intellektuell-kognitive Bereich (Denken), der künstlerisch-kreative Bereich (Fühlen) und der handwerklich-praktische Bereich (Wollen).

Diese Überzeugung findet in den Lehrplänen der Waldorfschulen ihre Umsetzung:

Umsetzung der Prinzipien im Alltag – Anwendung und Nutzen

Kreative Fächer werden an Waldorschulen stärker gefördert als an staatlichen Schulen. So gehören Eurythmie oder Theater ebenso zum regulären Lehrplan wie Musik oder Werken.

Auch allgemeine Fächer wie Deutsch oder Mathematik werden mit vielen praktischen und künstlereichen Elementen vermittelt, um sie den Kindern leichter zugänglich zu machen.

Diese allgemeinen Fächer werden außerdem in einem Epochenunterricht mehrere Wochen am Stück unterrichtet, bevor sie sich abwechseln. Dadurch soll es den Schülern ermöglicht werden, den Stoff schneller und nachhaltig zu verinnerlichen.

Klassische Benotung findet an Waldorschulen erst ab der Oberstufe statt. Statt eines herkömmlichen Zeugnisses erhalten die Eltern zum Ende jeden Schuljahres eine ausführliche, schriftliche Beurteilung über Ihr Kind. Diese Vorgehensweise unterbindet Druck und Versagensängste, da die Kinder an Waldorschulen nicht einfach nur für gute Noten lernen. Stattdessen lernen Sie aus Neugier und erhalten sich so Ihren natürlichen Lerntrieb.

Erst mit dem Besuch der 10. Klasse fallen Noten für die Schüler an. Das ist unumgänglich, da die Schüler für ihren Abschluss die gleichen Prüfungen absolvieren müssen, wie Schüler einer staatlichen Schule.

Unterricht und Fächer an einer Waldorfschule

Welche Fächer werden in Waldorfschulen unterrichtet?

Die Unterrichtsfächer, welche angeboten werden variieren unter den Schulen. Grundlegende Fächer wie Deutsch, Mathematik, Biologie oder Englisch werden ohne Ausnahme unterrichtet. Dies ist die Bedingung für eine staatliche Genehmigung, welche eine Waldorfschule als Ersatzschule vorschriftsgemäß besitzen muss. Daneben unterrichten Waldorfschulen zahlreiche kreative und handwerkliche Fächer wie Schmieden, Töpfern, Malen, Buchbinden, Handarbeiten, Holzwerken, Kupfertreiben, Korbflechten, Plastizieren, Steinhauen oder ähnliches. Informieren Sie sich bei der Waldorfschule Ihrer Wahl über den genauen Inhalt des dortigen Lehrplans.

Welche Schulabschlüsse sind auf einer Waldorfschule möglich?

In der Regel kann auf einer Waldorfschule jeder Abschluss erreicht werden, der im entsprechenden Bundesland angeboten wird. Es kann allerdings sein, dass Ihr Kind seine Abschlussprüfungen, als externer Prüfling an einer staatlichen Schule einholen muss. Dies ist der Fall, wenn die Waldorfschule Ihrer Wahl staatlich genehmigt, statt anerkannt ist. Mehr Informationen dazu finden Sie in diesem Artikel: Ratgeber: Privatschulen - Die Alternative zu öffentlichen SchulenRatgeber: Privatschulen - Die Alternative zu öffentlichen Schulen

Was kostet eine Waldorfschule?

Ganz generell dürfen finanziell benachteiligte Familien laut dem Grundgesetz nicht vom Besuch einer Privatschule ausgeschlossen werden. Diesem Gesetz wollen Waldorfschulen natürlich nachkommen. Leider geht es ihnen dabei aber ähnlich, wie den meisten deutschen Schulen in freier Trägerschaft: Die staatlichen Zuschüsse sind zu gering, um alle Kosten für den laufenden Schulbetrieb zu decken. Aus diesem Grund müssen Waldorfschulen meist ein Schulgeld erheben. Die Höhe dieses Schulgeldes hängt von der jeweiligen Schule ab.

Um ihrer Philosophie dennoch treu bleiben zu können, verzichten die Lehrer an Waldorfschulen meist auf Gehaltsanteile. Außerdem wird die Höhe des Schulgeldes oft vom Einkommen der Eltern abhängig gemacht, so dass möglichst kein Kind aus finanziellen Gründen abgelehnt wird. Auch Anträge auf Beitragsermäßigung können von den Eltern gestellt werden.

Mehr zu den Kosten und Finanzierungsmöglichkeiten einer Privatschule finden Sie hier: Ratgeber: Was kostet eine Privatschule?Ratgeber: Was kostet eine Privatschule?

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Externe Links zum Thema

Weiterführender LinkVerband der Waldorfschulen

Bund der Freien Waldorfschulen

Autor

Christoph Kappek

Christoph Kappek

Christoph beschäftigt sich mit verschiedenen Bildungs­systemen und Pädagogik. Dieses Interesse ist die Grundlage seiner Artikel.



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