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Eltern als Nachhilfelehrer - die optimale Lösung?

Naturgemäß möchten Eltern ihren Kindern helfen, wenn diese auf Probleme stoßen. Doch sind Eltern wirklich die ideale Lösung, um bei den Hausaufgaben und beim Lernen zu helfen? In diesem Artikel finden Sie die Antworten darauf.

Christoph Kappek, zuletzt aktualisert am 1.08.2018

Sei es nun eine Frage zu den Hausaufgaben oder zur richtigen Klausurvorbereitung, Eltern sind für ihre Kinder in der Regel die erste Ansprechperson. Jedoch sollte gerade im schulischen Bereich besondere Vorsicht gewahrt werden, kann mit der falschen Herangehensweise doch leicht sehr viel Schaden angerichtet werden. Auf den folgenden Zeilen lesen Sie, warum Eltern keine Universallehrer sind und sein können - und was Sie beachten müssen, um Ihrem Kind wirklich zu helfen.

1. Problem: Lang, lang ist's her

Der erste Knackpunkt erwächst aus Ihrem Alter– ein statistisch nachweisbares Problem. Denn das Durchschnittsalter von Müttern bei der Geburt ihres ersten KindesLink zu einer Statistik über das Alter von Müttern liegt mittlerweile deutschlandweit bei über 30 Jahren. Bei den Vätern ist es sogar noch etwas mehr. Das bedeutet, wenn Ihr Kind schulpflichtig wird und somit erstmals die Notwendigkeit besteht, zum elterlichen Lernhelfer zu werden, sind Ihre eigenen Schuljahre bereits 15-20 Jahre passé – für die Grundschulzeit ist es sogar mehr als ein Vierteljahrhundert.

Das ist durchaus ein Grundsatzproblem. Denn einerseits sollten Sie nicht unterschätzen, wie leicht man selbst Grundlegendes aus dieser damaligen Zeit vergisst, wenn man es seitdem nicht mehr benötigte. Andererseits blieb die Lernwelt nicht stehen. Mitunter lehren Sie ihr Kind damit auch Dinge, die so nicht mehr aktuell sind – beispielsweise wird heute in vielen Bundesländern (teilweise) Schreiben nach Gehör gelehrt. Das wurde jedoch lange nach Ihrer eigenen Grundschulzeit eingeführt.

Welche Probleme könnten auftreten wenn Eltern ihren Kindern Nachhilfe geben?

2. Wie ging das nochmal?

Dieses Problem werden Sie vielleicht nicht in der Grundschule bekommen. Definitiv aber dann, wenn Ihr Kind eine weiterführende Schule besucht: Das, was Ihr Kind dort lernen muss, womit es vielleicht sogar Probleme hat, ist vielleicht gar nicht Ihre Stärke – vielleicht einfach schon deshalb, weil Sie sich selbst nicht tagtäglich damit befassen. Wüssten Sie spontan noch ganz genau, was im Englischen die Unterschiede zwischen present perfect und present progressive sind? Was nochmal Ankathete und Hypotenuse sind? Die Betonung liegt auf „ganz genau wissen“. Denn selbst wenn Sie sich auf Elternabenden und -sprechtagen immer wieder informierenRatgeber zu Elternabenden und -sprechtagen und up-to-date halten, ist Ihr Gesamtüberblick über den Lern-Alltag doch lückenhafter als bei den „direkt Beteiligten“. Und sobald Ihr Wissen auch nur lückenhaft ist, führt es dazu, dass Sie ihrem Kind im Extremfall etwas völlig Falsches beibringen – und das auch noch sehr persistent, weil das, was Eltern vermitteln, ob der persönlichen Beziehung oft nachhaltiger „hängenbleibt“, als das, was ein Lehrer beibringt.

3. Problem: Das elterliche Helfersyndrom

Ihr Kind knabbert seit einer halben Stunde an ein und derselben Aufgabe. Alle Versuche, ihm die Herangehensweise zu erklären, sind gescheitert. Fragen Sie sich selbst, was in diesem Fall Ihre (allzu natürliche und verständliche) Reaktion wäre: Es vorzurechnen, die Lösung selbst zu ermitteln – in der Hoffnung, dass es dadurch „Klick“ macht.

Leider allzu oft eine falsche Hoffnung. Denn dadurch, dass Sie dem Kind die Arbeit abnehmen, tun Sie nur genau das. Sie beenden das temporäre Problem, lassen nur die Symptome verschwinden, statt die „Krankheit“ an der Wurzel anzugehen. Und in diese Falle werden Sie immer wieder tappen. Aus Mitleid, aus Zeitmangel oder schlicht aus Unlust.

Hierauf sollten Eltern achten, wenn sie ihren Kindern Nachhilfe geben

4. Problem: Überall nur noch Lehrer

Dieser Punkt gehört zu denen, die oftmals vergessen werden. Denn natürlich wird Ihr Kind Sie, sobald Sie sich regelmäßig als sein Nachhilfelehrer betätigen, auch in einem anderen Licht sehen – nicht unbedingt in einem positiven. Denn auch wenn es die Schule verlässt, nachhause in seinen Rückzugsort kommt, trifft es doch wieder auf eine Art Lehrperson.

Stellen Sie sich vor, Ihr Vorgesetzter wäre Ihr Untermieter. Sie kämen von der Arbeit nachhause und da wäre er; die Arbeit wäre immer präsent. Genau das Gleiche passiert mit Ihrem Kind, wenn Sie der Nachhilfelehrer sind – denn ja, auch Schulkinder haben eine Work-Life-BalanceLink zu einem Artikel über School-Life-Balance , die es einzuhalten gilt. Und das Wissen, dass mit den Eltern die Schule auch daheim immer präsent ist, trägt nicht gerade zu deren Verbesserung bei.

Lösungswege

Es gilt, dass aus den vorgestellten Problemen für Ihr Kind mehr Schaden als Nutzen entstehen kann – allerdings gilt das nicht unbegrenzt. Sie können durchaus unterstützend unter die Arme greifen. Allerdings muss dies in einem genau koordinierten Maß und einem noch engeren Rahmen erfolgen. Dann, und wirklich nur dann, können Sie eine echte Hilfe sein.

  • Bleiben Sie bei allem, was Ihr Kind derzeit in der Schule macht, am Ball – ohne, dass das Kind es mitbekommt. Dabei können Sie es sich zunutze machen, dass sämtliche länderspezifischen LehrpläneLink zu einer Übersicht der länderspezifischen Lehrpläne auf dem Bildungsserver online einsehbar sind. Laden Sie sich diese vor Schuljahresbeginn herunter, prüfen Sie die Inhalte, bringen Sie ihr Wissen zu den einzelnen Themen auf den neuesten Stand.
  • Informieren Sie sich, wie man heute zeitgenössisch Wissen pauktArtikel: Lernen wie ein Profi . Also echte Grundsatztechniken über korrektes Aufschreiben, den richtigen Lernrhythmus bis hin zum Zeitmanagement und der richtigen Motivation. Bringen Sie Ihrem Kind diese Techniken kindgerecht bei, anstatt es bei der spezifischen Wissensvermittlung zu belassen. Dadurch wird daraus eine echte „Hilfe zur Selbsthilfe“, die viel nachhaltiger wirkt, als das reine Helfen bei kritischen Schulthemen.
  • Beschränken Sie sich im Alltag auf zurückhaltende Hilfestellungen. Kontrollieren Sie die Hausaufgaben auf Stil, Ordnung, Sauberkeit. Seien sie bei der Vorbereitung auf Klassenarbeiten nur Ansprechpartner. Fragen Sie Wissen, Vokabeln und Co. ab, überlassen Sie aber die Ausgestaltung des Lernpensums hauptsächlich Ihrem Kind – je höher die Klassenstufe, desto mehr sollte es hier die Zügel in der Hand haben. Das hat auch viel mit gelehrter Selbstständigkeit zu tun.
  • Sorgen Sie zuhause für ein ein angenehmes, motivierendes Lern-Umfeld.Link zum Ratgeber: Motivation zum Lernen . Das beginnt schon damit, dass vor allem im Grundschulalter das Wort „Lernen“ für diese Form von Arbeit nicht durch Sie benutzt wird („Du musst noch für Mathe lernen“). Und auch wenn es Ihr elterlicher Arbeitsalltag nicht anders zulässt, fangen Sie bitte nicht noch in den Abendstunden damit an – wenn Ihr Kind vielleicht die Hausaufgaben und alles andere Schulische für diesen Tag bereits seit Stunden abgeschlossen hat.
  • Zwingen Sie Ihrem Kind nicht erbarmungslos Ihre Auffassung davon auf, was „richtiges Lernen“ sei. Jeder Mensch lernt anders, hat andere Bedarfsschwerpunkte und problemlösende Herangehensweisen. Sprechen Sie auf Augenhöhe mit ihm. Lassen Sie sich erklären, warum es etwas nicht versteht. Und gestalten Sie das Lernen „snackweise“, sodass Ihr Kind immer wieder kleine Erfolgserlebnisse hat.
  • Schlucken Sie ihren eventuell vorhandenen elterlichen Stolz herunter. Sie und Ihr Kind sind nicht alleine. Auch andere Eltern und deren Kinder haben mit Problemen zu kämpfen. Warum sollte man sich also nicht gegenseitig helfen? Halten Sie Kontakt zu den Eltern von Klassenkameraden (insbesondere guten Freunden). Tauschen Sie sich gegenseitig aus, sprechen Sie über das, was funktioniert und was es nicht tut. Dadurch können auch Probleme aufgedeckt werden, die nicht an mangelndem Verständnis Ihres Kindes liegen, sondern auf der Lehrerseite liegen – selten zwar, aber doch vorhanden. Das wäre beispielsweise dann der Fall, wenn auffallend viele Kinder an der gleichen Stelle Probleme haben.
  • Und natürlich gilt auch die finale Regel: Kennen Sie Ihre eigenen Grenzen. Das bedeutet, sehen Sie sich, besser früher als später, nach einer wirklich geschulten Nachhilfe um, anstatt wertvolle Zeit zu vergeuden – falls abzusehen ist, dass Ihre eigene Hilfe wirklich nicht ausreicht. Selbst Eltern, die sehr firm in der Thematik sind, sind in den seltensten Fällen so fit wie ein professioneller Nachhilfelehrer – und sei es nur auf dem Gebiet der Pädagogik. Allerdings gibt es dazu auch einen einschränkenden Passus. Auch bei Ihrem Kind sollte gelten „nobody is perfect“. Nachhilfe sollte nur dann eingeschaltet werden, wenn Ihr Kind echte Probleme hat – und nicht bloß deshalb, weil es keinen Schnitt von 1,0 hat.

Autor

Christoph Kappek

Christoph Kappek

Christoph beschäftigt sich mit verschiedenen Bildungs­systemen und Pädagogik. Dieses Interesse ist die Grundlage seiner Artikel.



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