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Ist Ihr Kind hochbegabt? - Hochbegabung erkennen und fördern

„Mein Kind ist nicht faul. Es ist unterfordert.“ Diesen Satz hören Lehrer so oder ähnlich regelmäßig. Aber wie können Sie wirklich eine Hochbegabung bei Ihrem Kind feststellen? Und wie sollten Sie eine vorhandene Hochbegabung fördern? Antworten und Ansprechpartner finden Sie in diesem Artikel.

Paul Jakob, zuletzt aktualisert am 18.10.2018

Statistisch gesehen sind zwei von hundert Schülern hochbegabt. Die Dunkelziffer ist vermutlich aber um einiges höher. Denn Hochbegabungen werden nicht immer erkannt. Nach Feststellung einer Hochbegabung ist außerdem die richtige Förderung entscheidend, damit Betroffene ihr Potential voll entfalten können. In diesem Artikel erklären wir Ihnen, wie Sie eine Hochbegabung bei Ihrem Kind erkennen und auf welche Weise Sie diese fördern können.

Wann spricht man von einer Hochbegabung?

Laut Definition gilt jeder mit einem Intelligenzquotienten (IQ) von über 130 als hochbegabt. Personen mit einem IQ von 115 gelten als überdurchschnittlich intelligent und der durchschnittliche IQ der deutschen Bevölkerung liegt bei 85 bis 115.

Die genauen Ursachen einer Hochbegabung konnten bisher nicht eindeutig geklärt werden. Wissenschaftler vermuten aber, dass genetische Faktoren ebenso eine Rolle spielen, wie die erworbenen Erfahrungen. Diese Erfahrungen gelten vor allem im Kindesalter als entscheidend für eine Hochbegabung. Deshalb ist es wichtig, eine Hochbegabung frühestmöglich zu erkennen und rechtzeitig eine entsprechende Förderung einzuleiten.

Wie erkenne ich eine Hochbegabung?

Wie erkenne ich eine Hochbegabung bei meinem Kind?

Der offensichtlichste Weg, eine Hochbegabung festzustellen liegt augenscheinlich in einem Intelligenztest; ab einem IQ von 130 ist die Hochbegabung schließlich offiziell. Leider ist diese Annahme nicht immer richtig.

Ein IQ- Test hält immer nur eine Momentaufnahme fest. Gerade im Kindesalter ändert sich das Ergebnis eines Intelligenztests oft im Laufe der Jahre. So ist es nicht unüblich, dass ein Kind mit einem IQ von über 130 bei einem späteren Test schlechter abschneidet. Natürlich kann es auch umgekehrt ablaufen: Kinder mit einem durchschnittlichen Ergebnis im IQ- Test erzielen oft bereits nach wenigen Monaten ohne offensichtlichen Grund ein deutlich höheres Ergebnis. Wenn Ihr Kind in den Bereichen Arbeitshaltung oder soziales Agieren hochbegabt ist, ist ein IQ- Test außerdem nicht immer aussagekräftig. Deshalb sollten sie nicht blind auf einen Intelligenztest vertrauen.

Achten Sie auf andere Merkmale, die im Zusammenhang mit einer Hochbegabung stehen könnten.

(Achtung: Die folgenden Merkmale garantieren nicht zwangsläufig eine Hochbegabung! Sie sind lediglich mögliche Anzeichen.)

Allgemeine Hinweise auf eine Hochbegabung:

  • Braucht Ihr Kind wenig Schlaf?
  • Hat Ihr Kind die Krabbelphase übersprungen und begann gleich zu laufen?
  • Ist Ihr Kind überdurchschnittlich empfindlich für äußere Einflüsse, wie Lärm, Hitze oder Kälte?
  • War Ihr Kind schon als Neugeborenes sehr wach und fixierte gezielt Gegenstände mit den Augen an?

Hinweise für eine Hochbegabung im logischen, intellektuellen Bereich:

  • Fällt Ihrem Kind das Lernen leicht?
  • Lernt Ihr Kind schnell?
  • Hat sich Ihr Kind bereits vor Schulbeginn Lesen und Rechnen selbst beigebracht?
  • Liest Ihr Kind gerne?
  • Liest Ihr Kind Gedichte oder schreibt sogar selbst welche?
  • Hat Ihr Kind in bestimmten Bereichen auffällig hohes Detailwissen?
  • Verfügt Ich Kind über einen größeren Wortschatz, als andere Altersgenossen?
  • Denkt Ihr Kind unabhängig und selbstständig?
  • Hat Ihr Kind bereits früh die Grammatik beherrscht?
  • Verfügt Ihr Kind über eine gute Beobachtungsgabe?
  • Erkennt Ihr Kind komplexe Zusammenhänge?

Hinweise für eine Hochbegabung im Bereich Motivation, Arbeitshaltung:

  • Hat Ihr Kind vielfältige Interessen?
  • Fragt Ihr Kind häufig nach/ Ist Ihr Kind neugierig?
  • Hat Ihr Kind viel Energie?
  • Löst Ihr Kind gerne Probleme oder beschäftigt sich mit Rätseln?
  • Hat Ihr Kind eine hohe Aufmerksamkeitsspanne und kann sich lange mit einer Sache beschäftigen?
  • Ist Ihr Kind sehr selbstständig für sein Alter?
  • Bringt Ihr Kind Aufgaben zu Ende?
  • Ist Ihr Kind selbstkritisch, bis hin zum Perfektionismus?
  • Setzt Ihr Kind sich Ziele?
  • Interessiert sich Ihr Kind für Themen, die in dem Alter unüblich sind (z.B. Politik, Religion oder Philosophie
  • Spielt Ihr Kind oft den Klassenclown oder träumt im Unterricht?

Hinweise für eine Hochbegabung im sozialen Bereich:

  • Denkt Ihr Kind selbstständig über Recht und Unrecht nach?
  • Setzt sich Ihr Kind über Autoritäten hinweg?
  • Vertritt ihr Kind eine Meinung, unabhängig von der Meinung der Mehrheit?
  • Hat Ihr Kind enorme Schwierigkeiten mit Ungerechtigkeit?
  • Setzt sich Ihr Kind für schwächere Mitschüler ein?
  • Vermeidet Ihr Kind körperliche Auseinandersetzungen?
  • Spielt Ihr Kind überwiegend mit älteren Kindern?
  • Hat Ihr Kind wenig Freunde?
  • Ist Ihr Kind überdurchschnittlich sensibel?
  • Ist Ihr Kind empathisch?
  • Hat Ich Kind einen ungewöhnlichen Sinn für Humor?

Sollten einige dieser Anzeichen auf Ihr Kind zutreffen, empfehlen wir Ihnen, mit spezialisierten Ansprechpartnern über einen entsprechenden Test und Förderungsmöglichkeiten zu sprechen. Mögliche Ansprechpartner finden Sie am Ende dieses Artikels.

Wie man mit Hochbegabung umgeht und diese fördert

Hochbegabung ist nicht gleich Hochbegabung – Förderung und Umgang

Das englische Wort „Underachievement“ bezeichnet eine erwartungswidrige Minderleistung. Meist bezieht man sich damit auf eine schulische Minderleistung, die weder auf einen Mangel an Begabung, noch auf situative Umstände zurückzuführen ist.

Vor allem hochbegabte Kinder sind oft davon betroffen, da sie unterfordert sind. Damit Hochbegabte nicht hinter Ihren Möglichkeiten zurückbleiben, ist die richtige Förderung entscheidend. Sprechen Sie unbedingt mit geschulten Ansprechpartnern über die ideale Förderung einer Hochbegabung. Mögliche Ansprechpartner Sie unten aufgeführt.

Generell sollten Sie folgendes tun, um Ihr Kind bei einer Hochbegabung gezielt zu fördern:

Umgang zwischen Eltern und Kind

Sprechen Sie offen mit Ihrem Kind über die Hochbegabung - Nehmen Sie Ihrem Kind die Angst

Schaffen Sie Ihrem Kind ein Bewusstsein dafür, was es bedeutet, hochbegabt zu sein. Viele Kinder können nicht mit einer Hochbegabung umgehen, da sie Angst haben, ausgegrenzt oder gemobbt zu werden. Diese Angst ist meist unbegründet. Kinder werden in den seltensten Fällen wegen einer Hochbegabung gemobbt. Ihr Kind sollte nicht arrogant mit seiner Hochbegabung umgehen oder auf andere herabsehen. Dann wird es durch die entdeckte Hochbegabung sicherlich nicht schlechter in der Gemeinschaft stehen, als vorher.

Gezieltes Fördern der Begabung – Erkennen Sie Stärken und Schwächen

Ein hochbegabtes Kind aufzuziehen, erfüllt viele Eltern mit Stolz. Aber es kann auch eine unangebrachte Erwartungshaltung wecken. Die sollten Sie vermeiden. Wenn Ihr Kind im musischen Bereich hochbegabt ist, gilt es diesen Bereich zu fördern. Erwarten Sie in diesem Fall keine Wunderleistungen in Erdkunde, Mathematik und Geschichte. Eine Hochbegabung ist kein Garant dafür, in jedem Bereich überdurchschnittliche Leistungen zu erzielen.

Ermöglichen Sie Ihrem Kind Zugang zu Wissen

Damit Ihr Kind seine Begabung weiterentwickeln und ausbauen kann, ist der Zugang zu Wissen entscheidend. Deshalb sollten Ihrem Kind den Zugang zu verschiedenen Medien möglichst früh gewähren. Fachzeitschriften, Internet, Bibliotheksbesuche, Museen und zahlreiche andere Anlaufstellen helfen Ihrem Kind dabei, sein Talent auszubauen.

Gestehen Sie sich Wissenslücken ein

Als guter Elternteile möchte man seinem Kind natürlich Rede und Antwort stehen. Das sollten Sie auch tun. Seien Sie offen für Fragen Ihres Kindes. Aber gestehen Sie sich auch ein, wenn Sie etwas nicht wissen.

Sie haben keinen kindlichen Hochbegabten – Sie haben ein hochbegabtes Kind

Ihr Kind ist trotz Hochbegabung immer noch ein Kind. Eitelkeit oder falscher Ehrgeiz der Eltern sind hier fehl am Platz. Ihr Kind braucht vor allem Zuwendung und Geborgenheit, um stabil aufzuwachsen. Die Förderung einer Hochbegabung sollte niemals einer guten Erziehung im Wege stehen!

Externe Förderung

Die Schule

Sprechen Sie mit den Lehrern Ihres Kindes über die Hochbegabung. Sollte Ihr Kind vielleicht ein Klasse überspringen? Gibt es Möglichkeiten Ihr Kind in der Schule stärker in den einzelnen Talentbereichen zu fördern?

Oder ist vielleicht ein Schulwechsel angebracht? Viele Privatschulen können aufgrund der kleinen Klassen und der Freiheiten im Lehrplan eine gute Förderung für Hochbegabte anbieten.

Im Internet finden Sie auch sogenannte Kinder-Unis in Ihrer Nähe. Sollte Ihr Kind mit dem Schulstoff hoffnungslos unterfordert sein, ist das vermutlich die richtige Anlaufstelle.

Vereine

Wenn Ihr Kind mathematisches Talent hat, lässt es sich vielleicht für Schach begeistern? Ein musisch geprägtes Kind findet möglicherweise Anschluss in einer Theatergruppe. Für jede Art von Begabung gibt es Gruppen von Gleichgesinnten, die sich zusammenschließen. Das ist nicht nur wertvoll für Ihr Kind, um sein Talent auszubauen: Es schult auch die Sozialkompetenz und unterbindet das Gefühl, alleine mit seiner Begabung zu sein.

Nachhilfe

Der Wissensdurst vieler Hochbegabte ist nach Schulschluss oft noch nicht gestillt. Wenn Ihr Kind nach der Schule unbedingt weiterlernen möchte, sollten Sie ihm das ermöglichen. Eine geeignete Nachhilfe kann Ihnen dabei helfen, den Lerndrang Ihres Kindes weiter zu fördern. Das sollte aber ausdrücklich auf Wunsch des Kindes geschehen. Zwingen Sie keine Nachhilfe auf, wenn die Noten keinen Anlass dazu geben. Was Sie bei der Wahl einer Nachhilfe beachten sollten, erfahren Sie hierRatgeber: Nachhilfe - So funktioniert die optimale Förderung.

An wen können Sie sich wenden wenn Sie Hilfe beim Umgang mit einem hochbegabten Kind benötigen?

Ansprechpartner

Ein hochbegabtes zu erziehen Kind stellt eine Ausnahmesituation dar. Gut, dass Sie im Zweifelsfall nicht alleine entscheiden müssen, wie Sie damit umgehen.

Das Begabtenzentrum unterstützt Eltern beim Erkennen und Fördern einer Hochbegabung des Kindes. Mehr Informationen finden Sie direkt auf der Internetseite des BegabtenzentrumLink zu einer Informationsseite zum Thema Begabtenförderung.

Weitere Anlaufstellen finden Sie hier:

Autor

Christoph Kappek

Christoph Kappek

Christoph beschäftigt sich mit verschiedenen Bildungs­systemen und Pädagogik. Dieses Interesse ist die Grundlage seiner Artikel.



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